Dienstag 23. Oktober 2018
Kultur und Sprache

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"Grenzland Österreich" - Grenzen und Ent-Grenzung als kollektive Erfahrung in der österreichischen Geschichte und Gegenwart

Seit dem frühen Mittelalter, als das heutige Österreich als kleines Grenzterritorium im Osten des mächtigen Fränkischen Reiches geschaffen wurde, war die österreichische Geschichte stets mit verschiedensten „Grenz-Situationen“ konfrontiert.

Heute, im Zeitalter der Globalisierung, nach dem Fall des „Eisernen Vorhanges“ (1989), dem EU-Beitritt Österreichs (1995) und der Phase einer einsetzenden „Osterweiterung“ der EU seit 2004, stellt sich die Frage nach „Grenzen“ und „Ent-Grenzung“ aus österreichischer Sicht auf vielfach neue Weise.

Betrachtet man das öffentliche Leben in Österreich etwas genauer, so gewinnt man rasch den Eindruck, dass gerade in Zeiten einer vermeintlichen „Ent-Grenzung“ alte, bereits beseitigt geglaubte Grenzen wieder errichtet und neue, bisher in Österreich nicht vermutete Grenzlinien gezogen werden, seien es (innen-) politische, ideologische, soziale und wirtschaftliche oder auch religiöse und kulturelle.

In der historischen Selbstdarstellung Österreichs ist ein immer wieder artikuliertes kollektives Bewusstsein zu erkennen, ein „Land an der Grenze“, ein „Grenzland“ oder gar der „Hofzaun des Heiligen Römischen Reiches“ gewesen zu sein, vor allem gegen militärische Bedrohungen aus Ost- und Südosteuropa. Durchbrochen wurde dieses Bewusstsein vor allem durch die Erinnerung an die Aufnahme von Flüchtlingen in Folge des Ungarischen Aufstands von 1956 und des Prager Frühlings 1968 sowie im Zuge der sogenannten „Ostöffnung“ 1989, als sich die österreichischen Grenzen zu Ungarn für tausende Flüchtlinge aus der damaligen DDR öffneten. Schließlich verweist der gegenwärtige innenpolitische Diskurs zur Bewältigung der Flüchtlingsströme vor allem aus dem Nahen Osten innerhalb der politischen Parteien auf äußerst konträre Auffassungen.

Das offizielle Österreich ist weiterhin bestrebt, das Land  als „Brücke“ und „Bindeglied“ zwischen dem (ehemaligen) „Ostblock“ und der westlichen Welt zu sehen, worauf unter anderem die Präsenz verschiedener internationaler Organisationen in Wien verweist (etwa die Vereinten Nationen/UNO, die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa/OSZE oder die „Europäischen Stelle zur Beobachtung von Rassismus und Fremden- feindlichkeit“/EUMC).

Seit dem Ende der 1980er-Jahre erinnern sich die ÖsterreicherInnen in Form von „Gedenkjahren“ an historische Ereignisse, die innen- und außenpolitische Brüche markieren, in denen „Grenzziehungen“ innerhalb der österreichischen Gesellschaft in besonders dramatischer Weise zum Ausdruck gekommen sind. Das sind vor allem das Ende des Ersten Weltkrieges, die weitgehend verdrängte Tatsache eines Bürgerkrieges (1934), der „Anschluss“ (1938), das Ende des Zweiten Weltkrieges (1945) und die damit bis heute verbundene Vergangenheitsbewältigung, im Zuge derer die österreichische Gesellschaft das Verhalten der Kriegsgeneration zu Nationalsozialismus, Shoa und Holocaust reflektiert.

Die Ambivalenz des Phänomens, sich als historisches „Grenzland“ zu sehen und sich gleichzeitig im internationalen Kontext als Staat, der um Ent-Grenzung bemüht ist, zu positionieren, ist augenscheinlich. Um diesen Widerspruch aufzulösen, scheint es notwendig, neben den sichtbaren „äußeren“, vor allem die unsichtbaren „inneren“ Grenzen zu entdecken und kritisch zu hinterfragen. Wie verhält sich die „historische Last“ des Grenzlandes zu den Bemühungen um „Ent-Grenzung“ im heutigen Österreich? Ist es überhaupt möglich, innere, mentale Grenzen zu erkennen, zu bearbeiten und dort zu überwinden, wo sie gegenwärtig (wieder) errichtet werden?

Mögliche Antworten auf all diese Fragen zu finden ist Ziel des Seminars. Miteinander, im interkulturellen Diskurs, werden wir versuchen, das Phänomen „Grenzen“ und „Ent-Grenzung“ in verschiedensten Bereichen des öffentlichen Lebens in Österreich zu lokalisieren und aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten.

Eine eintägige Exkursion durch den heute burgenländisch-ungarischen Grenzraum mit Grenzübertritten nach Ungarn und Slowenien soll das „Grenzland Österreich“ aus heutiger Sicht erschließen und er-fahrbar machen.

 

 

Inhalte

  • "Grenzen“ und „Grenzerfahrungen“ in der österrei-chischen Geschichte aus mentalitätshistorischer Sicht

  • Grenzen überwinden: Multikonfessionelles Österreich

  • Stadtteilrecherche – Alltag in Wien

  • Österreichisches Deutsch

  • Grenz-Sprachen versus Sprach-Grenzen: Sprachenland-schaft Österreich

  • "Sprachenschatzsuche“ in Graz

  • „GrenzgängerInnen“ in Literatur, Musik, bildender sowie darstellender Kunst, Museum und Film

  • Eigene „Grenzen“ überwinden - theaterpädagogische Zugänge zum DaF-Unterricht

  • Neue Materialien zur österreichischen Landeskunde für DaF
  • Grenzenloses Kulinarium

 

 

 

Anmeldung ausschließlich über das Ministère de l'Éducation Nationale:

 

Auf dem Dienstweg über die zuständigen Rektorate an:
Ministère de l'Éducation Nationale, Bureau DLC 20
107, Rue de Grenelle, 75007 Paris

Membersarea

Seminarprogramm 2019

Anmeldung ab 29. Okober

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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